Cycles of Silence

Seit 2005 | Zy­klen der Stil­le | Pütz-Roth Be­stat­tun­gen und Trau­er­be­glei­tun­gen / Ber­gisch Glad­bach / DE
Fotos: Pie­tro Pel­li­ni

Der Pfad der Sehn­sucht
des Künst­lers Rolf Hin­te­r­e­cker ist fast schon eine Aus­s­tel­lung des Le­bens in sich selbst. Sie un­ter­stützt Trau­ern­de und Hin­ter­blie­be­ne auf Ihrem Weg der Trau­er­be­wäl­ti­gung, ist aber glei­cher­ma­ßen ein An­ge­bot für In­ter­es­sen­ten.

Be­gin­nend mit einer Li­ni­en-Skulp­tur von Knopp Ferro, die den Ver­lauf mensch­li­chen Seins sym­bo­li­siert, er­streckt er sich über meh­re­re Räume in und unter den Ge­bäu­den, die auch un­se­re Pri­va­te Trau­er Aka­de­mie be­her­ber­gen.
Auf dem Pfad der Sehn­sucht ver­las­sen wir die Ebene der rei­nen Ver­nunft und ge­lan­gen auf tiefer ge­le­ge­ne emo­tio­na­le Ebe­nen: Die In­stal­la­ti­on lädt ein, sich als Al­ter­na­ti­ve zum 'Co­gi­to, ergo sum' einem 'Credo, ergo sum', „ich glau­be, also bin ich“, zu öff­nen. Der Pfad führt uns in die 'Zy­klen der Stil­le'; zu einer Glas­wand, auf wel­cher ein Schlei­er flie­ßen­den Was­sers die ste­ti­ge Ver­än­de­rung allen Seins sym­bo­li­siert. Da­hin­ter ein Text von Nelly Sachs: „Al­les be­ginnt mit der Sehn­sucht“: Zu­erst muss der Tod der Per­son, nach der wir uns seh­nen, ak­zep­tiert wer­den...

Jeder Tod ist für den, der damit leben muss, wie eine La­wi­ne, ein Erd­be­ben, ein Zu­sam­men­bruch be­ste­hen­der Le­bens­vor­stel­lun­gen. Der Tod – hier ver­sinn­bild­licht durch eine Ge­röll­la­wi­ne – bricht in die all­täg­li­che Welt ein. Der Be­trach­ter muss sei­nen Weg durch ein Trüm­mer­feld fin­den. Und wenn er ver­sucht, die Bruch­stücke zu sor­tie­ren, ent­deckt er die Spu­ren, die von der Le­bens­bahn des Ver­stor­be­nen zu­rück­ge­blie­ben sind. Der wei­te­re Weg führt in einen Kor­ri­dor aus Glas. Die rech­te Kopf­wand zeigt ein über­großes Foto mensch­li­cher DNA, die dem Be­trach­ter die Ein­zig­ar­tig­keit jeden mensch­li­chen Seins er­in­nert. Der glä­ser­ne Boden in die­sem Be­reich des Pfa­des sym­bo­li­siert den zer­brech­li­chen Wert mensch­li­cher Be­zie­hun­gen. Eine Wand vol­ler Namen (Künst­ler: Ro­land Ber­ge­re) steht für die Men­schen auf un­se­rem Le­bens­weg. Be­zie­hungs­vol­le Ge­gen­stän­de auf lan­gen Glas­re­ga­len ver­kör­pern Erin­ne­run­gen... Hier und da wird zwi­schen Ihnen auf Spie­gel­scher­ben der blaue Him­mel sicht­bar.
An­ge­sto­ßen durch die Wahr­neh­mung der Namen und der Erin­ne­rungs­stücke, durch­wan­dert der Be­trach­ter auch Sta­tio­nen sei­nes ei­ge­nen Le­bens. Träu­me, Ge­füh­le und be­son­ders Sehn­süch­te nach Ge­bor­gen­heit, Wärme, Hei­mat, Kind­sein wer­den wach. Dass Ge­bor­gen­heit, Glück und ewige Voll­kom­men­heit nach dem Tode im Him­mel oder im ver­lo­re­nen Pa­ra­dies er­fahr­bar wer­den mögen, sind ei­ni­ge der großen uni­ver­sel­len Sehn­süch­te der Mensch­heit. Immer ver­such­ten die Men­schen, die­ses Pa­ra­dies be­reits zu Leb­zei­ten auf Erden zu ver­wirk­li­chen. Wie im nächs­ten Raum, des­sen Be­tre­ten eine ge­wis­se Über­win­dung er­for­dert... Diese Scheu mag zu Fluch­ten in Sei­ten­we­ge füh­ren. Leicht folgt der Mensch Täu­schun­gen, Ver­lo­ckun­gen und auch falschen Heil­ver­spre­chun­gen in Sack­gas­sen. Die zu er­ken­nen, ist wich­tig, um um­keh­ren und wei­ter nach dem Pa­ra­dies su­chen zu kön­nen, wo immer es auch lie­gen mag.
Am Ende des Pfa­des fin­den wir uns auf einer Wiese wie­der, aus der die Samen von Pus­te­blu­men vom Him­mel fal­len, wäh­rend gleich­zei­tig Schnee auf­steigt – in sur­rea­lem Kon­trast zur rea­len Welt, in die der Be­trach­ter durch die Pro­jek­ti­on der Wiese zu­rück­ge­langt: Vi­el­leicht etwas se­hen­der, viel­leicht etwas mu­ti­ger und hof­fent­lich etwas le­ben­di­ger. Dabei spü­rend, dass er in der ihm noch ver­blei­ben­den Zeit von denen be­glei­tet wird, die er im Leben ver­misst.
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