Temporary River Laboratory

2003 | Ga­le­rie im Fluss | Donau Alt­arm bei Hüt­ting / AT
Ku­ra­tor: Chris­ti­an Geir­ho­fer, Tho­mas Stöckl
Fotos: Gu­sen­bau­er / R.H.

Ga­le­rie im Fluss par­ti­ci­pa­ting Ar­tists:
Peter Rösel, Na­di­ne Ren­nert, Tho­mas Hoke, Man­fred Er­jautz, Fa­bri­zio Cri­sa­ful­li, Alois Lin­den­bau­er, Wil­helm Scher­übel, Nor­bert W. Hin­ter­ber­ger, Tra­gut Ber­nard, Mar­kus Lin­din­ger

temporäres Flusslabor in der Donau

Rolf Hin­te­r­e­cker in­ter­es­siert sich be­reits seit lan­gem für die Schnitt­stel­le von Wis­sen­schaft und Poe­sie, Natur und Kul­tur. Sie mar­kiert den Mit­tel­punkt sei­ner künst­le­ri­schen For­schung, die das Sinn­bild für eine neu­gie­ri­ge, ex­pe­ri­men­tie­ren­de, in eine of­fe­ne Zu­kunft ge­rich­te­te Le­bens­per­spek­ti­ve ist.

All das be­stimmt auch sein tem­po­rä­res Fluss­la­bor. Mit­ten in einer Do­nau­aue schwim­mend, ver­an­kert mit einer Stahl- und Glas­kon­struk­ti­on auf zwei Pon­tons ge­baut, ist der große Kubus von außen mit einer netz­ar­ti­gen Trans­pa­ren­tum­hül­lung be­spannt. Das macht ihn ge­schlos­sen und doch durch­sich­tig, lässt ihn mas­siv und zu­gleich über­ra­schend leicht er­schei­nen. Vom Ufer aus, aus der Ferne, sieht sein Kunst­stück wie ein vom Hoch­was­ser fort­ge­spül­tes, un­be­kann­tes Ge­bäu­de­teil aus. Es ist ein Ort, von dem eine selt­sa­me Magie aus­geht, an den sich Fra­gen und Phan­tasi­en an­knüp­fen, und der un­wei­ger­lich das Ver­hält­nis von Natur und mo­der­ner (Wis­sen­schafts-) Kul­tur be­rührt. Im bes­ten Sinne der tra­di­tio­nel­len Land-Art „nutzt“ Hin­te­r­e­cker die Schön­heit und das ein­zig­ar­ti­ge Ener­gie­po­ten­ti­al der Natur nicht nur als de­ko­ra­ti­ven Hin­ter­grund für eine skulp­tu­ra­le Ins­ze­nie­rung, son­dern Land­schaft und Natur wer­den viel­mehr in ihrer gan­zen Kom­ple­xi­tät selbst zum Ge­gen­stand sei­ner Kunst.

Wer mehr ver­ste­hen will, muss mit dem Boot hin­aus­fah­ren, wie Ent­de­cker sich einst über das Was­ser zu un­be­kann­ten In­seln auf­mach­ten. Man kann mit dem Kanu durch die schwim­men­de Skulp­tur hin­durch­fah­ren. Man kann sich um sie herum be­we­gen. Und man kann durch glä­ser­ne Sicht­fens­ter in sie hin­ein­se­hen: auf eine An­ord­nung ver­schie­dens­ter La­bor­ge­gen­stän­de, Re­ga­le vol­ler Un­ter­su­chungs­ma­te­ria­li­en (etwa Fund­stücke aus dem Fluss und der nahen Um­ge­bung), elek­tro­nen­mi­kro­sko­pi­sche Auf­nah­men von Plank­ton und un­ter­schied­lichs­te, vom Künst­ler an­ge­setz­te Pflan­zen­kul­tu­ren, die sich im Laufe der Mo­na­te ent­wi­ckeln sol­len. Ge­gen­stän­de mit tat­säch­li­cher Funk­ti­on und Phan­ta­sie­ob­jek­te gehen in die­sem Labor un­trenn­bar in­ein­an­der über. Dem ent­spricht, dass neben der poe­tisch-träu­me­ri­schen Di­men­si­on auch ganz kon­kret mit dem Labor ge­ar­bei­tet wird. Die Schü­ler zwei­er Pro­jekt­grup­pen be­ob­ach­ten die Ver­än­de­rungs­pro­zes­se, pro­to­kol­lie­ren Pe­gel­stands- und Tem­pe­ra­tur­mes­sun­gen und die Wachs­tums­auf­fäl­lig­kei­ten der Pflan­zen. Die Ver­net­zung mit so­zia­len Pro­jek­ten ist in­zwi­schen ein fes­ter Be­stand­teil der meis­ten künst­le­ri­schen Ar­bei­ten Hin­te­r­eckers. Seine Kunst will ein Band span­nen zwi­schen so­zia­len und öko­lo­gi­schen Le­bens­grund­la­gen und zum Aus­druck brin­gen, dass das eine un­trenn­bar auf das an­de­re be­zo­gen wer­den muss. Das An­de­re ist die Ver­or­tung sei­ner Kunst in der Natur.

Fünf Mo­na­te soll das Kunst­werk sich sel­ber über­las­sen sein und in die­ser Zeit sein Po­ten­ti­al ent­wi­ckeln. Es wird sich ver­än­dern. Es wird ros­ten, über­wach­sen, Tiere wer­den sich ein­schlei­chen wie in ein Wrack, das am Ufer­rand im Was­ser liegt. Und ge­ra­de durch die­sen of­fe­nen Wachs­tumspro­zess er­hält das Kunst­werk eine ganz be­son­de­re Dra­ma­tik und Schön­heit.

Be­reits seit län­ge­rem pro­du­ziert Hin­te­r­e­cker nicht un­be­dingt ab­ge­schlos­se­ne Kunst­wer­ke, son­dern setzt künst­le­ri­sche Pro­zes­se in Szene. So will seine Kunst den end­lo­sen Zu­sam­men­hang von Mor­bi­di­tät und Wachs­tum, Auf­lö­sung und Auf­bau, Leben und Ster­ben zei­gen, der grund­sätz­lich alles Da­sein seit Ur­zei­ten be­stimmt. Und dem kommt sie am nächs­ten, wenn sie sich sel­ber in diese Pro­zes­se ein­schmiegt und Teil von ihnen wird.

Das schließt den Kreis wie­der­um zu den neus­ten wis­sen­schaft­li­chen For­schun­gen der Bio­lo­gie und Che­mie, die nichts an­de­res ma­chen und damit der Natur zu­gleich eine (neue) Dre­hung geben. Hin­te­r­eckers Fas­zi­na­ti­on an den zeit­ge­mä­ßen wis­sen­schaft­li­chen Zau­ber­kü­chen ist dabei eben­so groß wie sein Re­spekt vor dem ge­wal­ti­gen, un­durch­sich­ti­gen Zu­sam­men­hang der Natur. Und damit schlägt er eine Blick­rich­tung ein, die zu the­ma­ti­sie­ren die mo­der­ne Kul­tur bis­lang immer noch größ­ten­teils aus­weicht. Jür­gen Kis­ters,

Tem­po­ra­ry River La­bo­ra­to­ry

Rolf Hin­te­r­e­cker has long been in­te­res­ted in the in­ter­face bet­ween science and poe­try, na­ture and cul­ture. It marks the cen­tre of his ar­ti­stic re­se­arch, sym­bo­li­sing an in­qui­si­ti­ve, ex­pe­ri­men­tal per­spec­ti­ve on life with an un­cer­tain fu­ture.

All of these fac­tors also de­fi­ne his tem­po­ra­ry river la­bo­ra­to­ry, sm­im­ming and an­cho­red in the midd­le of a branch of the Da­nu­be. This steel and glass con­struc­ti­on has been built on two pon­to­ons and the lar­ger cube is co­ver­ed on the out­si­de by a net­li­ke, trans­pa­rent wrap­ping. This makes it clo­sed yet trans­pa­rent, makes it ap­pe­ar solid and at the same time sur­pri­sin­gly light. Vie­wed from a di­stan­ce, the river bank, his work of art looks like some part of an un­known buil­ding that has been was­hed away by a flood. It is a place that exu­des a rare sort of magic, that gives rise to ques­ti­ons and fan­ta­sies, where the na­ture in­e­vi­ta­bly comes into con­tact with mo­dern (scien­ti­fic) cul­ture. In the true sense of tra­di­tio­nal Land-Art, Hin­te­r­e­cker “uses” the be­au­ty and un­i­que ener­gy po­ten­ti­al of na­ture not only as a de­cora­ti­ve back­drop for a sculp­tu­ral pro­duc­ti­on, rat­her the lands­ca­pe and na­ture them­sel­ves be­co­me part of his art in their en­ti­re com­ple­xi­ty.

Anyo­ne who wants to know more has to take a boat out to the work of art, just like ex­plo­rers of yore set­ting sail for un­known is­lands. You can padd­le through the sculp­ture in a canoe. You can move around it. And you can peer in­si­de through glass view­ing win­dows: onto an ar­ran­ge­ment of va­rious la­bo­ra­to­ry in­stru­ments, shel­ves full of ex­ami­na­ti­on ma­te­ri­als (for ex­am­ple fin­dings out of the river and the near­by sur­roun­dings), elec­tron-mi­cros­co­pe pic­tu­res of plank­ton and va­rious plant cul­tu­res pre­pa­red by the ar­tist that should de­ve­lop over the months. Ob­jects that ac­tual­ly serve a pur­po­se and fan­ta­sy ob­jects are in­se­pa­ra­b­ly ent­wi­ned in this la­bo­ra­to­ry. This is in agree­ment with the fact that apart from the poe­tic-dre­am­li­ke di­men­si­on, ac­tu­al work is being car­ried out with the la­bo­ra­to­ry. Pu­pils from two pro­ject groups will mo­ni­tor the pro­ces­ses of change, re­cord water level and tem­pe­ra­ture mea­su­re­ments and any un­u­su­al grow­th of the plants.

A com­bi­na­ti­on with so­ci­al pro­jects has in the mean­ti­me be­co­me a fixed part of the ma­jo­ri­ty of Hin­te­r­ecker’s ar­ti­stic work. His art wis­hes to pro­vi­de a link bet­ween basic so­ci­al and eco­lo­gi­cal li­ving con­di­ti­ons and de­mons­tra­te that the one is in­se­pa­ra­b­ly re­la­ted to the other. The other aspect is the lo­ca­ting of his art in na­ture.

This work of art will be left to its own de­vi­ces for five months and de­ve­lop its full po­ten­ti­al over this pe­ri­od. It will change, rust, be­co­me over­grown, ani­mals will take up house like in a ship­wreck stran­ded near the river bank. And it is pre­ci­se­ly this open grow­th pro­cess that gives the work of art a very spe­ci­al drama and be­au­ty.

For a long time now, Hin­te­r­e­cker has not ne­cessa­ri­ly been pro­du­cing com­ple­ted works of art, but sta­ging ar­ti­stic pro­ces­ses. His art at­t­empts to show the end­less connec­ti­on bet­ween mor­bi­di­ty and grow­th, de­struc­ti­on and con­struc­ti­on, life and death, that has for­med the basis of all exis­tence since time im­me­mo­ri­al. And these works of art come clo­sest to this if they them­sel­ves melt into this pro­cess and be­co­me part of it.

This in turn brings us full circle to the la­test scien­ti­fic re­se­arch in the fields of bio­lo­gy and che­mistry, that in turn do nothing else and thus give na­ture a (new) twist. Hin­te­r­ecker’s fa­s­ci­na­ti­on for con­tem­po­ra­ry scien­ti­fic la­bo­ra­to­ries is just as great as his re­spect for the enor­mous, obscu­re re­la­ti­on­ships in na­ture. So that his out­look on things is one that mo­dern cul­ture is still to a large ex­tent wary of picking out as a cen­tral theme. Jür­gen Kis­ters, June 2003

Technische Daten

Größe / Grund­riss 6 m x 4 m, Höhe ca. 2.40 m über dem Was­ser­spie­gel.

Ma­te­ria­li­en:

Rah­men­kon­struk­ti­on: Stahl / Stan­dard­pro­fi­le ge­schweißt u. ver­schraubt.

Pon­tons: Po­ly­es­ter-Fi­ber­glas

Au­ßen­ver­klei­dung: Gerüst­netz Nylon - weiß

Was­ser­be­cken: 8mm un­d12mm ESG Si­cher­heits­glas mit Si­li­kon ver­klebt im Stahl­rah­men.

Wei­te­re Ma­te­ria­li­en: Schläu­che / Fo­li­en / di­ver­se La­bor­ge­rä­te Wan­nen /Glas/Fo­li­en

Fund­stücke / Spu­ren wei­te­rer For­schungs­pro­jek­te

Ver­suchs­pro­ban­ten: / Gnome in ver­schie­de­nen Ent­wick­lungs­sta­di­en di­ver­se Was­ser­pflan­zen Wet­t­er­sta­ti­on / Auf­zucht­be­cken für Was­ser­pflan­zen / Was­ser­pum­pe: Ener­gie­ver­sor­gung durch So­lar­kol­lek­tor Pho­to­vol­taik­sys­tem 40w

Ge­samt­ge­wicht: ca. 4 Ton­nen

Veran­ke­rung: Do­nau­aue bei Hüt­ting Ös­ter­reich

Rea­li­sie­rung und Un­ter­stüt­zung durch die Fir­men Bi­be­rau­er (Pon­tons) aus Grein (A) und Bau­mann aus Baum­gar­ten­berg (A)

Sta­tik: Büro Gün­ter Christl Lind­lar bei Köln

Wei­te­re tech­ni­sche Be­ra­tung und Hilfe :

Gün­ter Zif­fus (bio­lo­gi­sche Be­ra­tung D, Archi­tek­tur­bü­ro Dag­mar Dit­zer (Pla­nung) D , Tho­mas Gues­net (Schiffs­bau) D, Chee­sy aus Köln D, Wolf­gang Leit­ner(Glas­bau) A Gla­se­rei Rit­ter D, Die­ter De­cker u. Ru­dolf Zarl (beide Me­tall­bau) Á

Be­son­de­rer Dank Dr. Wal­traud Denn­hardt-Her­zog A , Knopp Ferro D, Fam. Moser und der Feu­er­wehr von Mit­ter­kir­chen, Hil­de­gard Hin­te­r­e­cker D, Wal­ter Hin­te­r­e­cker A, u.v. and.

Size / floor plan 6 m x 4 m, height ap­prox. 2.40 m above water level.

Ma­te­ri­als :

Frame con­struc­ti­on: steel / stan­dard pro­fi­les wel­ded and bol­ted.

pon­to­ons: Po­ly­es­ter-fi­breglass

Outer cl­ad­ding: Scaf­fold net Nylon white

Water basin: 8mm and 12mm ESG sa­fe­ty glass with si­li­co­ne glued in the steel frame.

Other ma­te­ri­als: Tubes / foils / va­rious la­bo­ra­to­ry equip­ment Tubs / glass tubes /

foils / finds / tra­ces of fur­ther re­se­arch pro­jects

ex­pe­ri­men­tal pro­bands: / gno­mes in dif­fe­rent sta­ges of de­ve­lop­ment / va­rious aqua­tic plants

Wea­ther sta­ti­on / bree­ding tank for aqua­tic plants / water pump

Ener­gy sup­ply by solar col­lec­tor pho­to­vol­taic sys­tem 40w

Total weight: ap­prox. 4 tons

An­cho­ring: Da­nu­be flood­plain near Hüt­ting in Austria

Rea­li­sa­ti­on and sup­port by the com­pa­nies Bi­be­rau­er (pon­to­ons) from Grein (A) and Bau­mann from Baum­gar­ten­berg (A)

Sta­tics: Gün­ter Christl Lind­lar of­fi­ce near Co­lo­gne

Fur­ther tech­ni­cal ad­vi­ce and as­si­stan­ce :

Gün­ter Zif­fus (bio­lo­gi­cal con­sul­ting D, ar­chi­tec­ture of­fi­ce Dag­mar Dit­zer (plan­ning) D , Tho­mas Gues­net (ship­buil­ding) D, Chee­sy from Co­lo­gne D, Wolf­gang Leit­ner (glass con­struc­ti­on) A Gla­se­rei Rit­ter D, Die­ter De­cker and Ru­dolf Zarl (both metal con­struc­ti­on)

Spe­ci­al thanks to Dr. Wal­traud Denn­hardt-Her­zog A, Knopp Ferro D, Moser fa­mi­ly and the fire de­part­ment of Mit­ter­kir­chen, Hil­de­gard Hin­te­r­e­cker D, Wal­ter Hin­te­r­e­cker A, and many more.

River Laboratory